Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2026 (KW 24)

Selleriefliege

An vielen Standorten fangen die Leimtafeln für das Möhrenfliegen-Monitoring nach längerer Pause wieder Selleriefliegen. 

Es sind Vertreter der zweiten Generation, wie man an der im Vergleich mit ihren Eltern heller Flügelzeichnung erkennt. Flug und Eiablage können sich über mehrere Wochen hinziehen. Wo im April und Mai schon viele Blattminen festzustellen waren, ist die Gefahr von Schäden an Petersilie und Liebstöckel oder auch kleinen Sellerie- und Pastinakenpflanzen hoch. Hier sollte regelmäßig kontrolliert und bei zu starkem Befall behandelt werden. 

Wer mit der Behandlung noch etwa zwei Wochen warten kann, kann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn dann beginnt voraussichtlich der Flug der zweiten Generation der Möhrenfliege. Gegen diese wie gegen die Selleriefliege wirken z. B. Minecto One oder Karate Zeon. 

Selleriefliegen der ersten und zweiten Generation
Bild oben: Blattminen der Selleriefliege (rechts), Fliegen der ersten (links oben) und der jetzt fliegenden, blasser gefärbten zweiten Generation (links unten)

Blattläuse

Im Freiland ist die Schwarze Bohnenlaus an Spinat, Mangold, Möhren, Pastinaken etc. stark rückläufig, Behandlungen sind meist nicht mehr nötig. An Stangenbohnen im Gewächshaus hält sie sich ab
er noch. Meist reicht es, mit einem Handsprühgerät die wenigen Befallsherde zu behandeln. Maßnahmen gegen die Große Salatblattlaus sind weiterhin erforderlich. Die Mehlige Kohlblattlaus am Kohl wird in vielen Fällen von Nützlingen auf erträglichem Niveau gehalten. Die Situation muss beobachtet werden.  

Kohlfliege

Die zweite Generation der Kohlfliege hat mit der Eiablage begonnen. Sofern möglich sollten Jungpflanzen von Kohlarten mit SpinTor (alle Kohlarten) oder Verimark (Blumen- und Kopfkohle) behandelt werden

Kohlmottenschildlaus

Je nach Standort ist der Befall durch die Kohlmottenschildlaus sehr unterschiedlich. Es zeigt sich wieder einmal, dass rechtzeitiges Mulchen befallener, überwinterter Bestände und ein großer räumlicher und zeitlicher Abstand zu befallenen Sätzen sehr wirkungsvolle Maßnahmen sind. Wenn das die Betriebsstruktur bzw. fehlende Bewässerungmöglichkeit auf entfernt liegenden Flächen nicht zulässt, müssen es Insektizid richten. 

Das Ziel ist bei beiden Strategien, den Populationsaufbaus der Kohlmottenschildlaus möglichst lange hinauszuzögern: Eine Weiße Fliege, die sich heute nicht ansiedelt und Eier legt, bedeutet 50 Weiße Fliegen weniger in vier Wochen. Mit der Bekämpfung muss also begonnen werden, sobald die ersten Tiere in den Bestand einwandern. Das kann in Lagen mit viel Kohlanbau schon wenige Tage nach dem Pflanzen passieren. 

Die Behandlung so kleiner Pflanzen hat den Vorteil, dass auch die unteren Blätter von der Spritzbrühe getroffen werden. Wirksam sind u. a. Teppeki (nützlingsschonend; Kopfkohle, Grünkohl, Chinakohl, Kohlrabi), Benevia, Minecto one (Blumen- und Kopfkohle) oder Mospilan SG (Kopfkohle). 
Die Jungpflanzenbehandlung mit Verimark bietet für die ersten zwei bis drei Wochen Schutz. 

Neben den regulären Zulassungen können derzeit auch Notfallzulassungen genutzt werden für Sivanto prime (bis 25.09. in Blumenkohle, Kohlrübe, Speiserübe, 1 x. Bis 12.08. in Kohlrabi, Blattkohle, 1 x), Movento SC 100 (bis 11.09. in Blattkohle, Blumenkohle, Kohlrabi, Kopfkohle, 2 x) und Teppeki (nützlingsschonend; bis 12.06. in Blattkohle, 1 x). Auf Wirkstoffwechsel gegen Resistenzbildung achten! 

Kohlmottenschildlaus Aleyrodes proletella mit Eigelege

Bild oben: Bei 20°C lebt eine Kohlmottenschildlaus ca. 6 Wochen und legt dabei etwa 5 Eier pro Tag. In rund einem Monat ist deren Entwicklung zum erwachsenen, geschlechtsreifen Tier abgeschlossen. 

Raupen in Kohl 

Im Kohl sind nun verbreitet junge Raupen des Kleinen Kohlweißlings zu finden. Örtlich ist auch die Kohlmotte in größere Zahl vorhanden. Auf Bio-Flächen ist die Mehrheit ihrer Puppen bereits parasitiert. Trotzdem kann jetzt auch dort noch eine Behandlung nötig sein, wenn etwa die Raupen an der heranwachsenden Blume von Brokkoli oder Blumenkohl fressen. Mit XenTar, Dipel oder Lepinox plus können sie nützlingsschonend bekämpft werden.

Lauchmotte

Die Pheromonfallen zeigen seit etwa einer Woche verstärkte Akivität der Lauchmotte an. Lauchbestände sollten jetzt auf Befall kontrolliert und ggf. behandelt werden. 

Physiologisches


Die für das Wochenende angekündigten warmen Sommertage bedeuten eine starke Belastung für Gurken, Tomaten und Paprika. Bei Gurken bekommt man die Rechnung für den plötzlichen Wetterwechsel zeitnah in Form von Brennköpfen, bei Tomaten und Paprika zeigen sich die Schäden erst Wochen später in Form von Blütenendfäule. 

Ursache für beide Phänomene ist eher das Abfallen der Luftfeuchtigkeit in dem von der Sonne erwärmten Gewächshaus als die hohen Temperaturen. Die Pflanzen verdunsten dann mehr Wasser als die nach den kalten, trüben Tagen träge gewordenen Wurzeln liefern können. Die richtige Gegenmaßnahme ist also weniger das intensive Lüften (das zu noch mehr Verdunstung und damit Wasserstress führt) als das Anheben der Luftfeuchtigkeit. Das kann durch mehrmalige, kurze Sprühimpulse über Kopf passieren. Wenn mit diesen erst begonnen wird, wenn die nass aus der Nacht kommenden Pflanzen abgetrocknet sind, wenn zwischen den Wassergaben die Pflanzen abtrocknen können und wenn nach 16 Uhr die Überkopfberegnung eingestellt wird, besteht keine erhöhte Gefahr für Pilzinfektionen. Ziel ist, das Welken als sichtbares Zeichen von Wasserstress zu verhindern. 

Zulassungen

Es besteht eine Notfallzulassung vom 05.06. bis 02.10. für Fonganil Gold gegen Falschen Mehltau in Jungpflanzen von Salat-Arten und Frische Kräuter zum Angießen mit 0,25 ml/m² ab 2-Blatt-Stadium. Anwendung auf versiegelten Flächen im Gewächshaus zum anschließenden Auspflanzen im Freiland oder Gewächshaus. Wartezeiten: Salat: 60 Tage, Basilikum:42 Tage, alle anderen Frischen Kräuter: 28 Tage.

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