Weinbauinfo Nr. 10-2026 vom 12.06.2026
Agenda - Vor Traubenschluss
- Teilentblätterung Traubenzone
Vegetationsstand und Witterung
Die kühlen nächtlichen Temperaturen, Bewölkung und zeitweise Schauer in der vergangenen Woche, haben das Wachstum der Reben abgebremst. Es sind ca. 400 cm² Blattfläche zugewachsen und wir können durchschnittlich 18 Blätter an den Trieben zählen. Die Blüte ist insgesamt abgeschlossen. In den späten, hohen Lagen findet man nur noch vereinzelt blühende Nachzügler. Mittlerweile vergrößern sich die Fruchtknoten, die Beeren putzen sich und erste Trauben beginnen sich zu senken (BBCH 73). In den frühen Lagen und Sorten findet man schon erste erbsengroße Beeren, d.h. hier könnte mit der für nächste Woche angekündigte Wetterbesserung, sommerliche Temperaturen von 25-30°C, sich das Entwicklungsstadium BBCH 77, Beginn des Traubenschlusses, einstellen.
Wenn man um, über oder im Kaiserstuhl unterwegs ist dann gewinnt man den Eindruck, dass die Laubwände stehen, d.h. oft sind die oberen Heftstationen erreicht oder der letzte Heftgang wird in den etwas wuchsschwächeren Anlagen im Laufe dieser und Anfang nächster Woche erfolgen. Erste Laubschnitte laufen und auch die Teilentblätterung der Traubenzone manuell oder mittels Drucklufttechnik. Mit Saug-Zupfgeräte, sollte begonnen werden sobald die Trauben im Hang sind.
Mit der Beurteilung der Blüte muss man im Moment noch sehr vorsichtig sein. Es gibt Anlagen wie z.B. Spätburgunder F 105 oder L-Klone, die beim Strippen ordentlich Beeren fallen lassen. Auch Burgunderanlagen nach Einsatz von Bioregulatoren (Gibb3 oder Regalis) zeigen die gewollten Verrieselungen. Hier sollte man insbesondere mit der Druckluftentblätterung noch etwas zuwarten bis die Beeren an den Stielgerüsten verfestigt sind um nicht zu viel Ertrag zu verlieren. Insgesamt weisen die Trauben eine hohe Beerenanzahl auf. Bei guter Wasserversorgung können daraus ordentliche Traubengewichte gedeihen. Teilweise bestehen Befürchtungen von zu kompakten Traubenstrukturen hinsichtlich Fäulnisrisiko im frühen Vegetationsjahr 2026 und der zu erwartenden frühen Ernte Anfang September (Abreife bei warmen Tag- und Nachttemperaturen). In solchen Fällen kann mit der Druckluftentblätterung und dem Putzen der Trauben gegengesteuert werden. Anzustreben ist das hohe Ziel der Traubengesundheit bis zur Ernte.
Der Gesundheitszustand der Rebanlagen ist aktuell sehr gut. Die bisherigen Pflanzenschutzbehandlungen waren gut terminiert. Mögliche Peronosporainfektionen wurden abgefangen. Hinsichtlich Oidium werden die nächsten 4 Wochen zeigen, ob Infektionen möglich waren. Bitte kontrollieren Sie ihre Anlagen und melden Sie Oidiuminfektionen direkt bei der Weinbauberatung um frühzeitig Gegenmaßnahmen abzusprechen.
Die Wettervorhersage meldet ab Morgen zunehmend sommerlich und trocken. Wiederum sind mit Temperatursprüngen um 10°C auf bis zu 30°C Tageshöchsttemperatur zu rechnen.
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Der Flug der ersten Generation des Traubenwicklers ist abgeschlossen. Möglicher Befall müsste bei den Laubarbeiten in Form von Gespinsten (Heuwurmbefall) in den Gescheinen zu finden sein. Bisher sind keine Meldungen eingegangen. Da bisher keine Auffälligkeiten in aus den verschiedenen Gemarkungen bekannt sind, ist davon auszugehen, dass auch keine Heuwürmer gefunden werden. Melden sie Heuwurmgespinste bei ihrem zuständigen Rebschutzwart in der jeweiligen Gemarkung.
Bitte wechseln sie Köder und Leimböden in ihren Kontrollfallen zur Verfolgung des Fluges der nächsten Generation
Winden-Glasflügelzikade
als Überträger von Phytoplasmen die die Schwarzholzkrankheit auslösen können Haben ihre Flugtätigkeit bereits aufgenommen. Bitte lassen sie das Habitat (Brennnesselhorste und Winden) für diese Zikade ab jetzt stehen. Damit verhindern sie, dass die Zikade auf die Reben fliegt und die Schwarzholzkrankheit durch die Übertragung von Phytoplasmen auslösen kann.
Pilzkrankheiten
Im Pflanzenschutz haben wir die Halbzeit durch eine gute Abwehrstrategie erreicht. Natürlich hat uns auch die Witterung, zumindest betreffend möglicher Peronosporainfektionen, positiv in die Karten gespielt. Nach wie vor ist aber Oidium die Leitkrankheit und diese Krankheit ist heimtückisch, da sie Belagslücken im Pflanzenschutz erst ca. 6-8 Wochen später zeigt. Damit sollten wir weiterhin auf der Hut sein und termingerecht, entsprechend der Wirkungsdauer der eingesetzten Oidiumfungizide, den notwendigen Pflanzenschutz durchführen. Die Erfahrung zeigt, dass in Jahren mit geringem Peronosporainfektionsdruck die Pflanzenschutzintervalle in der Praxis ausgedehnt werden. Infolge kommt es aufgrund von Wirkungslücken zu Oidiuminfektionen, die hohen Aufwand von Sonderbehandlungen, manuelles Ausschneiden, Ernteverluste bis hin zu ungenügender Weinqualität nach sich ziehen können. Eine funktionierende Oidiumstrategie ist grundlegend für gesunde Trauben. Späte Oidiuminfektionen führen zu, für uns unsichtbaren Microrissen in der Beerenhaut und in Folge zu früher Fäulnis. Auch der Einsatz von Spezialbotrytiziden bringt dann kein Mehrwert! Achten Sie grundlegend auf lückenlosen Oidiumschutz und beachten Sie das Resistenzmanagement und den Wirkstoffwechsel.
Der maximale Spritzabstand liegt bei 10 Tagen.
Zum Einsatz kommen gegen Peronospora ein Kontaktfungizid wie z.B. Folpan 80 WG 1,4 Kg/ha oder Delan WG 0,7 Kg/ha (Zulassung bereits 2025 ausgelaufen, bitte dieses Jahr aufbrauchen). Oder Delan SC 0,6 L/ha. Alternativ Enervin SC 2,1 L/ha in Kombination mit Folpan 1,4 Kg/ha.
Der Zusatz von Phosphonaten wird ab jetzt nicht mehr empfohlen.
Gegen Oidium
Kommen zum Einsatz, organische Oidiumfungizide mit Wirkungseinstufung (3) wie z.B. Belanty (G) 1,6 L/ha, oder. Talendo (J) 0,375 L/ha, oder Talendo Extra (J/G) 0,35 L/ha, oder Dynali (R/G) 0,7L/ha, oder Prosper Tec (H) 0,99 L/ha.
Aus Gründen der Applikationsqualität empfiehlt es sich ab Entwicklungsstadium Blüte jede Gasse zu fahren.
Botryis-Botrytizidbehandlung „Vor Traubenschluss“
Zielgerechte, vorbeugende Kulturmaßnahmen wie standorangepasste Stickstoffdüngung und Bodenpflege, ordentliches Heften, Teilentblätterung der Traubenzone, luftige Traubenzone, Auflockerung der Traubenstruktur sollten hinsichtlich Fäulnisvermeidung fokusiert werden. Ergänzend kann der Einsatz von Botrytismittel bei kompakten Klonen sinnvoll sein.
Zum Einsatz kommen z.B. Switch 0,96 Kg/ha bzw. Sinclaire 0,96 Kg/ha oder Teldor 1,5 Kg/ha oder Kenja 1,5 L/ha oder Cantus 1,2 Kg/ha. Bei reiner Traubenzonenbehandlung kann die angegebene Aufwandmenge halbiert werden. Bitte achten Sie beim Sprühen auf ausreichenden Einsatz von Wasser (mindestens 400 L/ha Traubenzone bzw. 600 L/ha volle Laubwand und fahren sie jede Gasse um eine gute Applikation der Wirkstoffe am Beerenansatz und Stielgerüst zu erreichen!
Allgemeine Hinweise:
§ Der Wasseraufwand beträgt 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 800-1400 L/ha im Spritzverfahren.
§ Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 3,5.
§ Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!
§ Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)
§ Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden.
§ Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung
§ Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz.
§ Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.
Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital
erfolgen!
Wichtiger Hinweis:
Die Grundlage für eine erfolgreiche Mehltaubekämpfung ergeben sich aus der richtigen Terminierung, beste Applikationsqualität und die Berücksichtigung des Antiresistenzmanagements, d.h. konsequenter Wirkstoffwechsel. Zudem sollte bei anfälligen Sorten wie z.B. Müller-Thurgau, Silvaner, Chardonnay und insbesondere Cabernet Dorsa, sowie in den Befallsanlagen jede Gasse befahren werden. Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel 3,6 Kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.
Pilzwiderstandsfähige Rebsorten
Je nach Infektions- und Krankheitsdruck werden 2-4 Pflanzenschutzbehandlungen vor, während und bis nach der Blüte auch bei den Piwis empfohlen. Dies ist besonders in Bezug auf Mehltau eine wichtige Maßnahme.
Pilzwiderstandsfähige Reben jetzt unbedingt mitbehandeln!
Vorbeugung von Stiellähme
Die bisherigen Wetterkapriolen, starke Temperaturänderungen, teils Trockenheit können zu Stoffwechselstörungen führen. Deshalb wird empfohlen, spätestens ab Blüteende Bittersalz 1,5 - 3 % zur Spritzbrühe hinzuzugeben. Alternativ magnesiumhaltige Blattdünger wie z.B. Lebosol Magnesium 400 SC 2-5 L/ha oder Wuxal Magnesium 5 L/ha.
Es ist nicht zu empfehlen Bittersalz mit Phosphonaten zu mischen.
Weinbauliche Arbeiten
Junganlagen
Für eine Peronospora-Bekämpfung werden im vorbeugenden wöchentlichen Spritzintervall Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG 0,4 Kg/ha oder Delan 0,2 Kg/ha oder Mildicut 1,0 L/ha empfohlen. Konzentrierung Basisaufwand/ha bezogen auf 400L/ha Wasseraufwand. Wer nach ergiebigen Niederschlägen, starkem Zuwachs seine Junganlagen behandelt sollte aus Gründen der Wirkungssicherheit ein tiefenwirksame Peronospora-Fungizide einsetzen, wie z. B. Melody Combi 0,55 kg/ha oder Fantic F 0,6 Kg/ha oder Forum Gold 0,48 Kg/ha (Basisaufwand auf 400 L/ha).
Zur Oidiumbekämpfung wird der Zusatz eines organischen Präparates empfohlen. Die Spritzintervalle sollten dem Zuwachs entsprechend angepasst werden und bei der derzeitigen Wetterlage 8 Tage nicht überschreiten. Als Nährstoffzugabe und Repellent gegen Haarwild Aminosol oder Beckmann Aminofert-N 1L/ha. Ein altes Hausmittel ist Buttermilch 0,5 l/10L
Zur direkten Bekämpfung gegen Fraßschäden durch Hasen/Haarwild ist Trico (auf Schaf-Fett-Basis, 15 l/ha bis ES 61 zugelassen.
Kulturarbeiten
Die Teilentblätterung der Traubenzone dient zur besseren Durchlüftung der Traubenzone und ist damit eine vorbeugende phytosanitäre Maßnahme gegen Pilzkrankheiten (Botrytis und Essigfäulnis). Bitte achten Sie auf das moderate Entblättern und Belassen sie ein schützendes Blätterdach auf der Sonnenseite zur Verhinderung von Sonnenbrand und bezüglich Aromaverlusten bzw. Verhinderung der Einlagerung von Bitterstoffen in den Trauben, die direkt der Sonne ausgesetzt sind.
Achten Sie bei der Druckluftentblätterung (Ausblasen) auf nicht zu hohen Druck und legen Sie den Schwerpunkt auf das Ausblasen der Blütereste. Dies ist hinsichtlich Vorbeugung des Fäulnisrisikos sehr wichtig.
Bodenpflege
Es bleibt bei der Empfehlung weiterhin alternierend jede zweite Gasse zu mulchen. Dies sorgt für einen guten Gasaustausch, vermindert
Chlorose und fördert die Beschattung und kühlt damit den Boden an sehr heißen Tagen.
Tiefere Bodenbearbeitungen sollten aufgrund von Freisetzung höherer Stickstofffrachten im Boden unterlassen bzw. zum Zeitpunkt nach der Lese als Vorbereitung für Wintereinsaaten verschoben werden. Wer in Trockenstandorten die Bodenkapillaren schließen möchte sollte nach Abtrocknung des Oberbodens eine flache Bearbeitung in den bereits offen gehaltenen Gassen mit der Kreiselegge durchführen.
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl