Weinbauinfo Tuniberg Nr. 11

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Allgemeiner Entwicklungsstand

Wir schreiben noch nicht Mitte Juni und in den Reben haben wir Trauben. Es wird wohl immer gesagt, man muss sich mit den neuen Verhältnissen abfinden, aber in Augenblicken, in denen man einen Abgleich mit Zeiten macht, in welchen zur selben Zeit gerade die Blüte war, ist ein fragendes Staunen nicht zu verbergen. Genug der Philosophie, zurück zur Realität. Der zurückliegende Mai schliesst als sehr warmer Monat ab und bringt ein überregionales Niederschlagsdefizit im Süden von im Westen mit rund 30%, im Bodenseeraum mit um 50%. Der Trend hält im laufenden Juni an, die Niederschläge der vergangenen Tage waren sehr zurückhaltend, abgesehen vom östlichen Bodensee, welcher vom Alpeneinfluss profitierte und reichliche Regen verzeichnet. Der Gesundheitszustand ist hervorragend, der Ansatz wirklich schön. Verriesselungen werden aus L – Klonen gemeldet. Von der Entwicklung stehen wir zwischen den Stadien 71 bis 75, erste frühe Trauben beginnen sich zu senken. Durch die kühlere Phase ist der Bodenseeraum mit den restlichen Lagen in eine verzögerte, aber nicht unnormale Blütephase geraten. Hier ist der Abschluss der Blüte über das Wochenende zu erwarten. Die Streuung ist über die Lagen höher wie im kompakt geblühten Westen. Auf das Wochenende soll sich die Wetterlage stabilisieren und kommende Woche sommerliche Temperaturen und trockene Verhältnisse bringen. Langsam verschwinden die Spuren des starken Wachstums, die Heftarbeiten brachten enormen Druck mit sich.

 

Zu den tierischen Schädlingen

Demnächst wird die Flugzeit der Windenglasflügelzikade beginnen. In der Flugzeit dieser Zikade sollten deren Wirtspflanzen, wie Winde und Brennnessel, weder mechanisch noch durch Herbizide abgetötet werden. Dies würde die Zikaden zu Suchflügen nach neuen Nahrungsquellen zwingen. Dadurch steigt die Gefahr, dass infizierte Zikaden die Reben anstechen und infizieren. Je nach Witterung endet die Flugzeit gegen Ende Juli bis Mitte August. 

 

Zu den Pilzkrankheiten

So ein Jahr wie bisher im Pflanzenschutz ist wirklich nicht die Regel. Im Beratungsgebiet gibt es nun die Meldung eines Ölflecken der Peronospora aus Produktionslanlagen, und die weitere Wettervorhersage wird an dieser mehr als erfreulichen Lage nichts ändern. Die Strategie bleibt kostengünstig. Lassen Sie sich nicht verwirren von der Anzeige von Sekundärinfektionen in VitiMeteo: ohne Ölflecken gibt es keine! Damit liegt weiterhin der Schwerpunkt des Pflanzenschutzes bei Oidium. Wir befinden uns nun in der Nachblüte. Das rasche Beerenwachstum bringt in Folge eine Belagsverdünnung. Im Abstand von 10 bis 12 Tagen sollte daher für den weiteren Schutz eine Behandlung erfolgen, was einen Termin auf Mitte kommender Woche bedeutet. Für die anstehende Behandlung kommen zum Einsatz: gegen Oidium ein gutes Mittel im Übergang wie z.B. Belanty mit 1,5 l / ha oder Vivando mit 0,24 l / ha Mittelaufwand. Der Zusatz von 2 bis 3 kg / ha Netzschwefel auch gegen Sommergenerationen der Pockenmilben wird empfohlen. Gegen Peronospora ein Kontaktmittel wie Folpan WDG mit 1,2 kg / ha oder Folpan SC mit 1,8 l / ha Mittelaufwand. Durch die nun beginnenden Laubschnittarbeiten wird der Einsatz von Phosphonaten nicht mehr empfohlen. 

Für den Bodenseeraum gilt für die auf das Wochenende anstehende zweite „Abgehende Blüte“ – Behandlung folgende Empfehlung: gegen Oidium ein potentes Mittel wie Sercadis mit 0,15 l / ha, einmalig das Mittel Luna Max mit 0,82 l / ha oder Talendo mit 0,25 l / ha Mittelaufwand. Es gelten folgende möglichen Reihenfolgen: Talendo – SDHI (Sercadis, Luna Max) – Talendo oder SDHI – Talendo – SDHI. Achten Sie bei nachfolgenden Behandlungen unbedingt auf einen Wirkstoffwechsel, um diese sehr guten Produkte in ihrer Wirkung zu erhalten. Gegen Peronospora ein Kontaktmittel wie Folpan WDG mit 1,0 kg / ha oder Folpan SC mit 1,5 l / ha, Delan WG mit Aufbrauchsfrist mit 0,5 kg / ha, Delan SC nach Laubwandmodell mit 0,48 l / ha. Bitte beachten Sie bei letzterem ab nun die Begrenzung auf vier Einsätze pro Jahr. Der Zusatz von 2 l / ha Veriphos oder Foshield kann erwogen werden, aber die gute Wettervorhersage, der sehr gute Gesundheitszustand und das bald anstehende Gipfeln ergeben wenig Grundlage für einen Einsatz.

Zum jetzigen Entwicklungsstand sollten alle PIWI – Sorten auch zur Stabilisierung der Resistenzeigenschaften nochmals mitbehandelt werden. Bei Tafeltrauben ist auf den Einsatz entsprechend zugelassener Mittel zu achten.

Junganlagen sollten ab dem 3-Blatt-Stadium beim Pflanzenschutz ebenfalls mitbehandelt werden. Achtung beim Einsatz von Phosphonaten: Junganlagen reagieren sehr empfindlich. Es wird empfohlen, die angegebenen Aufwandmengen zu halbieren.

Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

 

Weinbauliche Hinweise 

Die letzten Tage brachten im Beratungsgebiet niedrige Energiewerte. Der Einsatz von 12 bis 15 kg / ha Bittersalz zum Schutz gegen Stiellähme, Produkt EpsoTop, wird empfohlen, besonders im Bodenseeraum. Die Kombination mit Phosphonaten ist nicht möglich.

Inzwischen läuft die „Moderaten Entblätterung“ mit den Ausblasgeräten. Kein mechanisches Verfahren bringt so saubere Trauben und damit einen so positiven Einfluss auf die Traubengesundheit. Dafür sollten die verbliebenen Staubbeutel und Blütenkäppchen aus der Blüte leicht gereift sein, was sich in einer gelblichen bis leicht bräunlichen Farbe zeigt und die Anlagen trocken sein. Die Blütenreste sind dann besser zu entfernen. Empfohlen werden die bewährten Druckbereiche von 0,4 (heutzutage gut machbar mit den VitiPuls Combi – Geräten) bis max. 0,6 bar. Oberhalb davon nehmen die Traubenschäden zu und mit zunehmenden Druck steigt als Auswirkung eine später sichtbare frühere Alterung der Laubwand. Alle anderen Verfahren der Entblätterung können nach der Blüte ebenfalls aufgenommen werden.  Aus Erfahrung aus den Vorjahren zeigt eine frühe Entblätterung zusätzlich einen wesentlich besseren Schutz gegen möglichen späteren Sonnenbrand. Lassen Sie aber Umsicht walten! Zu stark entblätterte Anlagen sind immer wieder zu finden. Was dem Menschen die Lunge, ist der Pflanze das Laub. Sollten wir noch einen intensiven späteren Sommer erhalten, ist dies ebenso sehr negativ für die Erhaltung der Aromen und der Säurestruktur. 

Es häufen sich die Meldungen von nicht absterbendem Weidelgras in den Reben. Beim Einsatz von Glyphosat kann 1 l / ha Fusilade zugesetzt werden, um eine Wirkung zu erzielen. Die Gräser bleiben im weiteren Verlauf stehen. Das typische Absterben und Umfallen bleiben jedoch aus. Nach der Mischung von Glyphosat und Fusilade Max sollte in der Spritze keine Restmenge verbleiben. Andernfalls kann es zu schmierigen Ausflockungen kommen.

 

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo am 18. Juni 2026.