Weinbauinfo Kaiserstuhl-Nr.09-2026

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Weinbauinfo Nr. 09-2026 vom 02.06.2026

 

Agenda       -    Rebblüte am Kaiserstuhl aktuell alle Stadien

-        Teilentblätterung Traubenzone

 

Vegetationsstand und Witterung

Ein Tief über Schottland bringt feuchtlabile Luft und eine deutliche Abkühlung. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit bleibt die nächsten Tage hoch. Ob größere Regenmengen zusammenkommen? Eher deutlich weniger, wie noch Anfang der Woche in der Vorhersage.

Seit 21.05. haben die Reben die Vegetationsentwicklung kontinuierlich beschleunigt. Ab letztem Wochenende eine Turboblüte hingelegt. Nach wie vor ist aber die Entwicklung in den unterschiedlichen Gemarkungen am, im und rund um den Kaiserstuhl sehr verschieden. In den frühsten Lagen ist die Blüte abgeschlossen (BBCH 69). Flächenmäßig am höchsten ist das Entwicklungsstadium „Abgehende Blüte“ (BBCH 68) im Beratungsgebiet. Mit der Blüte begonnen haben seit Anfang dieser Woche die späten, höheren Lagen im inneren Kaiserstuhl. Mit den jetzt vorhergesagten, unbeständigen und kühleren Witterungsbedingungen…komplett andere Blütebedingungen wie in den vergangenen 5-7 Tagen. Bezugnehmend auf die unterschiedliche Blüteentwicklung sind auch die Überlegungen zum nächsten Pflanzenschutztermin zu differenzieren.

Die aktuelle Rebenentwicklung passt nahezu identisch zum Jahr 2020. Auch dort hatten wir in den frühen Lagen am 31.05. Abgehende Blüte. In den mittleren Lagen am 02.06. und in den späten Lagen am 05.06. Ein Lesebeginn ab Ende August (Sektgrundweine) könnte sehr wahrscheinlich werden.

Momentan können wir durchschnittlich 14 Blätter am Trieb zählen. Der erste Heftgang sollte bald abgeschlossen sein und mit dem zweiten Heftgang werden die Laubwände stehen. Mit dem Gipfeln wird in wüchsigen Anlagen im Verlauf der nächsten Woche begonnen werden. 

Mit dem maschinellen Teilentblättern der Traubenzone sollte bis zu einer stabilen Festigkeit der Beere am Stielgerüst gewartet werden um, wo nicht gewollt, zu viel Beeren auszudünnen. Erfahrungsgemäß ist die Stabilität der Beeren am Stielgerüst unter guten Blütebedingungen besser. Mit der moderaten Hand-Entblätterung kann in frühen Lagen begonnen werden.

 

Rebschutz

Tierische Schädlinge

Traubenwickler

Der Flug der ersten Generation des Traubenwicklers ist abgeschlossen. Möglicher Befall müsste bei den Laubarbeiten in Form von Gespinsten (Heuwurmbefall) in den Gescheinen zu finden sein. Bisher sind keine Meldungen eingegangen. Da bisher keine Auffälligkeiten in aus den verschiedenen Gemarkungen bekannt sind, ist davon auszugehen, dass auch keine Heuwürmer gefunden werden. Melden sie Heuwurmgespinste bei ihrem zuständigen Rebschutzwart in der jeweiligen Gemarkung. 

Bitte wechseln sie Köder und Leimböden in ihren Kontrollfallen zur Verfolgung des Fluges der nächsten Generation

Pilzkrankheiten

Der Gesundheitszustand der Reben kann zum jetzigen Zeitpunkt als „hervorragend“ bewertet werden. Wenige Ölflecke, vereinzelt Blattbotrytis (grauer Rasen an der Blattunterseite) wurden gemeldet. In den meisten Betrieben sind bisher 4 Belagsspritzungen durchgeführt worden. 

Nach wie vor ist der Termin „Abgehende Blüte, d.h. 80% Käppchen sind abgefallen“ ein sehr wichtige Behandlungstermin und darf hinsichtlich möglicher Infektionen durch Pilzkrankheiten nicht unterschätzt werden. Ungeschützte, frisch verblühte Beeren haben nach Abfall des Blütekäppchens keinen Schutz hinsichtlich Peronospora und Oidium. Bitte kontrollieren sie in ihren Anlagen wie weit die Blüteentwicklung ist und terminieren sie ihren nächsten Pflanzenschutz zum Termin „Abgehende Blüte“. 

Der maximale Spritzabstand liegt je nach Blüteentwicklung bei 7-9 Tagen.

Zum Einsatz kommen gegen Peronospora ein Kontaktfungizid wie z.B. Folpan 80 WG 1,2 Kg/ha oder Delan WG 0,6 Kg/ha (Zulassung bereits 2025 ausgelaufen, bitte dieses Jahr aufbrauchen). Oder Delan SC 0,6 L/ha.

Mehr Wirkungssicherheit zum Termin „Abgehende Blüte“ bei aktuell wechselhafter Witterung bringt der Einsatz von tiefenwirksamen Peronosporafungiziden wie z.B. Pergado 2,5 Kg/ha oder Fantic F 2,4 Kg/ha oder Reboot 0,3 Kg/ha. 

Der Zusatz eines Phosphonat wie z.B. Foshield, Rhombiphos, Phosphik 2,0 L/ha oder Veriphos 2,0 L/ha sollte vor dem gipfeln zum höheren Schutz der Geiztriebe letztmals eingesetzt werden.

Gegen Oidium gibt es zwei Optionen:

Wer in der letzten Behandlung schon ein SDHI-Wirkstoff wie Luna Experience, Luna Max oder Sercadis eingesetzt hat, sollte in der nächsten Spritzung aus Gründen des Resistenzmanagement auf z.B. Talendo 0,3 L/ha oder Dynali 0,6 L/ha oder Belanty 1,5 L/ha übergehen.

Wer bisher noch kein SDHI eingesetzt hat der sollte zur nächsten Behandlung „Abgehende Blüte“ z.B. Sercadis 0,18 L/ha oder Luna Max 1,0 L/ha oder Luna Experience 0,375 L/ha anwenden. 

 

Aus Gründen der Applikationsqualität empfiehlt es sich während der Blüte und „Abgehende Blüte“ jede Gasse zu fahren.

 

Allgemeine Hinweise:

§  Der Wasseraufwand beträgt 300-500 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 800-1400 L/ha im Spritzverfahren.

§  Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 3,0. 

§  Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!

§  Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)

§  Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden. 

§  Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung 

§  Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz. 

§  Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.

Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital erfolgen!
 

Wichtiger Hinweis: 

Die Grundlage für eine erfolgreiche Mehltaubekämpfung ergeben sich aus der richtigen Terminierung, beste Applikationsqualität und die Berücksichtigung des Antiresistenzmanagements, d.h. konsequenter Wirkstoffwechsel. Zudem sollte bei anfälligen Sorten wie z.B. Müller-Thurgau, Silvaner, Chardonnay und insbesondere Cabernet Dorsa, sowie in den Befallsanlagen jede Gasse befahren werden. Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel 3,6 Kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.

 

Pilzwiderstandsfähige Rebsorten

Je nach Infektions- und Krankheitsdruck werden 2-4 Pflanzenschutzbehandlungen vor, während und bis nach der Blüte auch bei den Piwis empfohlen. Dies ist besonders in Bezug auf Mehltau eine wichtige Maßnahme.

Pilzwiderstandsfähige Reben jetzt unbedingt mitbehandeln!

 

Vorbeugung von Stiellähme

Die bisherigen Wetterkapriolen, starke Temperaturänderungen, teils Trockenheit können zu Stoffwechselstörungen führen. Deshalb wird empfohlen, spätestens ab Blüteende Bittersalz 1,5 - 3 % zur Spritzbrühe hinzuzugeben. Alternativ magnesiumhaltige Blattdünger wie z.B. Lebosol Magnesium 400 SC 2-5 L/ha oder Wuxal Magnesium 5 L/ha.

Es ist nicht zu empfehlen Bittersalz mit Phosphonaten zu mischen.

 

Weinbauliche Arbeiten

Junganlagen

Für eine Peronospora-Bekämpfung werden im vorbeugenden wöchentlichen Spritzintervall Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG 0,4 Kg/ha oder Delan 0,2 Kg/ha oder Mildicut 1,0 L/ha empfohlen. Konzentrierung Basisaufwand/ha bezogen auf 400L/ha Wasseraufwand. Wer nach ergiebigen Niederschlägen, starkem Zuwachs seine Junganlagen behandelt sollte aus Gründen der Wirkungssicherheit ein tiefenwirksame Peronospora-Fungizide einsetzen, wie z. B. Melody Combi 0,55 kg/ha oder Fantic F 0,6 Kg/ha oder Forum Gold 0,48 Kg/ha (Basisaufwand auf 400 L/ha).

Zur Oidiumbekämpfung wird der Zusatz eines organischen Präparates empfohlen. Die Spritzintervalle sollten dem Zuwachs entsprechend angepasst werden und bei der derzeitigen Wetterlage 8 Tage nicht überschreiten. Als Nährstoffzugabe und Repellent gegen Haarwild Aminosol oder Beckmann Aminofert-N 1L/ha. Ein altes Hausmittel ist Buttermilch 0,5 l/10L

Zur direkten Bekämpfung gegen Fraßschäden durch Hasen/Haarwild ist Trico (auf Schaf-Fett-Basis, 15 l/ha bis ES 61 zugelassen.

Kulturarbeiten

Die Teilentblätterung der Traubenzone dient zur besseren Durchlüftung der Traubenzone und ist damit eine vorbeugende phytosanitäre Maßnahme gegen Pilzkrankheiten (Botrytis und Essigfäulnis). Bitte achten Sie auf das moderate Entblättern und Belassen sie ein schützendes Blätterdach auf der Sonnenseite zur Verhinderung von Sonnenbrand und bezüglich Aromaverlusten bzw. Verhinderung der Einlagerung von Bitterstoffen in den Trauben, die direkt der Sonne ausgesetzt sind.

Achten Sie bei der Druckluftentblätterung (Ausblasen) auf nicht zu hohen Druck und legen Sie den Schwerpunkt auf das Ausblasen der Blütereste. Dies ist hinsichtlich Vorbeugung des Fäulnisrisikos sehr wichtig.

 

Bodenpflege

Bei schwachem Wuchs bestimmter Parzellen, kann durch ein flaches Stören der Begrünung (siehe Foto) mit der Kreiselegge, die N-Mineralisation und damit das Wachstum angeregt werden. Tiefe Bodenbearbeitungen setzen unter Umständen zu viel Stickstoff frei und erhöhen das spätere Fäulnisrisiko der Trauben. Des Weiteren können bei hohen Tagestemperaturen die Bodentemperatur sehr stark ansteigen. Ein jetziges zu starkes Bearbeiten des Bodens, fördert auch das Wachstum von Beikräutern, sogenannte Lichtkeimer wie z.B.  Amarant und erfordern eventuell nachfolgenden, höheren Pflegeaufwand.

 

Ansonsten wird weiterhin das alternierende Mulchen jeder zweiten Gasse empfohlen. Dies sorgt für einen guten Gasaustausch, vermindert Chlorose und fördert die Beschattung und kühlt damit den Boden an sehr heißen Tagen. 

 

Tobias Burtsche

Weinbauberatung Kaiserstuhl