Weinbauinfo Nr. 08-2026 vom 28.05.2026
Agenda - Rebblüte am Kaiserstuhl
- Einsatz von Bioregulatoren
Vegetationsstand und Witterung
Sommerliche Tageshöchsttemperaturen mit 30°C und bis zu 15 Sonnenstunden täglich haben die Rebenentwicklung explodieren lassen. Was letzte Woche so nicht voraussehbar war, ist die schnelle Entwicklung der Blüte. Wir stehen in den frühen Lagen in der Vollblüte und in den mittleren Lagen bei 30-50% Blütekäppchen sind abgeworfen. Die späten Lagen sind deutlich zurück und werden erst im Verlauf der nächsten Woche mit der Blüte beginnen. Tatsächlich haben sich die Blattflächen von ca. 700-800cm² auf 1500-1600cm² verdoppelt. Wir können aktuell ca. 12-13 Blätter durchschnittlich zählen und bewegen uns im Makrostadium der Blüte, BBCH 61-68. Damit haben wir die höchstempfindliche Phase im Pflanzenschutz hinsichtlich der Pilzkrankheiten Peronospora und Oidium erreicht. Wobei bei der jetzt noch anhaltenden Hochdruckwetterlage Oidium als Leitkrankheit den Takt vorgibt. Denn bezüglich möglicher Peroinfektionen fehlen aktuell Feuchtigkeit und Regen.
Die Wettervorhersage meldet eine Wetteränderung ab Sonntag. Hohe Niederschlagswahrscheinlichkeit durch Gewitter und Schauer sind dann möglich. Damit ändert sich das Peroinfektionsrisiko. Einige Ölflecken wurden bereits gemeldet. Danke für die Meldungen.
Die Reben sind im Allgemeinen sehr gesund, vital und wüchsig. Es gibt viel zu tun. Besonders das Heften fordert alle möglichen Arbeitskapazitäten. Hinzu kommt der notwendige Pflanzenschutz vor dem Wochenende. Spritzfenster am Freitag/Samstag nutzen.
Rebschutz
Pilzkrankheiten
Diese Woche wurden aus unterschiedlichen Gemarkungen am Kaiserstuhl erste Ölflecke gemeldet. Bei der Rückverfolgung mittels Vitimeteo sind diese Peronosporainfektionen (Bodeninfektionen) durch die Gewitter und Niederschläge am 11.05. ausgelöst worden. Die Inkubationszeit endete am 23.05. und passt exakt zu den Meldungen.
Hinsichtlich Oidium ist der Oidiumindex bei 100%, d.h. durch die Blüte und den damit abfallenden Blütekäppchen ergeben sich ungeschütztes Beerengewebe, welches durch Oidiumsporen (Ascosporen/Konidie) infiziert werden kann. Gleichzeitig herrschen witterungsbedingt optimale Bedingungen für die Entwicklung des Echten Mehltau (Hochdruckwetterlage für den Sonnenpilz). Kein Grund zur Panik. Aber Aufmerksamkeit hinsichtlich der Pflanzenschutzintervalle, Applikationsqualität und Auswahl der eingesetzten Oidiummittel!
Diese Gegebenheiten (Witterung, hoher Zuwachs und Blüte) nötigen uns den Spritzintervall auf 7-8/ Tage zu verkürzen und damit sollten alle Winzer, die letzte Woche ihren Pflanzenschutz durchgeführt haben noch vor dem Wochenende eine Belagsspritzung platzieren.
Zum Einsatz kommen:
Gegen Peronospora sind verschiedene Optionen denkbar:
Option 1: sehr hoher vorbeugender Schutz bieten z.B. Zorvec Vinabel 0,456 L/ha oder Orondis Forte 0,36 L/ha (vollysthemische Verlagerung des Wirkstoffs in den grünen Pflanzenteilen).
Option 2: alternativ mit sehr hohem Schutz z.B. Profiler 0,1875 Kg/ha oder Delan Pro 3 L/ha (Vollsysthemische Verlagerung im Neuzuwachs). Achtung Mischreihenfolge bei Profiler, siehe Beipackzettel bzw. Verpackung beachten.
Option 3: Kontaktfungizid z.B. Folpan 80 WDG 1,0 Kg/ha oder Delan SC 0,48 L/ha. Hier kann der Zusatz eines Phosphonat wie z.B. Foshield, Rhombiphos, Phosphik 2,5 L/ha oder Veriphos 2,5 L/ha Sinn machen.
Gegen Oidium gibt es zwei Optionen:
Variante 1 für Alle Rebsorten und Lagen, die Blühen oder in die abgehende Blüte gehen:
Ein SHI-Fungizid wie z.B. Sercadis 0,15 L/ha oder Luna Max 0,825 L/ha oder Luna Experience 0,3125 L/ha.
Variante 2 Für Lagen die noch nicht in der Blüte sind:
Ein potentes organisches Oidiumfungizid wie z.B. Prosper Tec 0,825 L/ha oder Belanty 1,2 L/ha oder Talendo 0,25 L/ha.
Aus Gründen der Applikationsqualität empfiehlt es sich während der Blüte und „Abgehende Blüte“ jede Gasse zu fahren.
Allgemeine Hinweise:
§ Der Wasseraufwand beträgt 250-400 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 400-1000 L/ha im Spritzverfahren.
§ Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 2,5.
§ Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!
§ Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)
§ Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden.
§ Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung
§ Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz.
§ Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.
Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital
erfolgen!
Wichtiger Hinweis:
Die Grundlage für eine erfolgreiche Mehltaubekämpfung ergeben sich aus der richtigen Terminierung, beste Applikationsqualität und die Berücksichtigung des Antiresistenzmanagements, d.h. konsequenter Wirkstoffwechsel. Zudem sollte bei anfälligen Sorten wie z.B. Müller-Thurgau, Silvaner, Chardonnay und insbesondere Cabernet Dorsa, sowie in den Befallsanlagen jede Gasse befahren werden. Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel 3,6 Kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.
Pilzwiderstandsfähige Rebsorten
Je nach Infektions-und Krankheitsdruck werden 2-4 Pflanzenschutzbehandlungen vor, während und bis nach der Blüte auch bei den Piwis empfohlen. Dies ist besonders in Bezug auf Mehltau eine wichtige Maßnahme.
Pilzwiderstandsfähige Reben jetzt mitbehandeln!
Traubenlockernde Maßnahmen; Einsatz von Bioregulatoren
Gute Blütebedingungen fördern bei Rebsorten mit dichter Beerenstruktur (Burgundersorten) die Kompaktheit der Trauben (Packungsgrad der Beeren).
Hier kann z.B. bei kompakten Spätburgunder (Klon Fr-5286, F105) und beim Grauburgunder (H1 oder Fr-49207 oder auch SMA) eine Behandlung mit Bioregulatoren sehr sinnvoll sein, um das spätere Fäulnisrisiko zu reduzieren.
Der Einsatz von Gibb 3 (zugelassen für Burgundersorten, Chardonnay u. Sauvignon blanc) zum Termin „Vollblüte = 50% Käppchen sind abgefallen“ mit einem Aufwand von 10-16 Tabletten/ha hat sich bei den kompakten Burgundersorten in der Praxis bestens bewährt. Bitte beachten sie die Anwendungsempfehlungen (Tabletten gut auflösen, Zusatz von Haftmittel z.B. Adhäsit, jede Gasse fahren, Spritzung solo nicht mit PSM mischen, ca. 600 l/ha Wasseraufwand, langsames Antrocknen, nur früh morgens oder in den Abendstunden spritzen).
Das Produkt Berelex 40 SG, Wirkstoff Gibberelinsäure, hat eine Zulassung für Spät-, Grau- und Weißburgunder, sowie für Schwarzriesling und Portugieser. Aufwandmenge 5g/hl Brühe. Gleiche Einsatzbedingungen wie Gibb 3.
Alternativ kann Regalis Plus 1-1,8 Kg/ha (Behandlung der Traubenzone) empfohlen werden. Auf die mögliche höhere Verrieselungswirkung bzw. stärkere Ausdünung und Ertragsreduzierung wird hiermit hingewiesen. Bei der Anwendung sollte darauf geachtet werden, dass die Triebspitzen nicht getroffen werden, da es zu Triebberostungen kommen kann. Deshalb sollten der Luftstrom und die Düsen entsprechend etwas nach unten eingestellt werden.
Weitere Möglichkeiten um die Kompaktheit der Trauben zu reduzieren ist das „Ausblasen mittel Druckluftentblätterung“ oder das „Trauben teilen“ zu einem späteren Zeitpunkt!
Weinbauliche Arbeiten
Das Heften der Triebe steht auf dem Arbeitsplan. Besonders in windoffenen Anlagen sollte frühzeitig geheftet werden um Windbruch zu vermeiden. Dabei können noch vorhandene Doppeltriebe an den Fruchtruten entfernt und buschige Köpfe ausgebrochen werden.
Achten Sie von Beginn auf eine luftige Laubwand.
Für die Bodenpflege empfiehl sich im Mai und Juni das alternierende Mulchen jeder 2. Gasse oder das Walzen der Begrünungen. Besonders hochgewachsene Winterbegrünungen sollten jetzt gewalzt werden. Dies beschleunigt das morgendliche Abtrocknen der Rebanlagen oder das Abtrocknen nach Niederschlägen.
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl