Einschätzung der Blüteentwicklung
Über Pfingsten sind sommerlich heisse Tage mit bis zu über 30° C, nachfolgend leicht tiefere, aber warme Temperaturen angesagt. Dazu nun durchgehend zweistellige Nachtemperaturen, ausgesprochenes Rebenwetter. Dies wird zu einer Turboentwicklung in den Reben führen, welche nicht zum ersten Mal unterschätzt wird. Daher gilt es vorbereitet zu sein. Im Verlauf der kommenden Woche nach den Pfingstfeiertagen kann es in den frühen und guten Lagen durchaus zur Vollblüte kommen (50% der Blütenkäppchen abgestossen). Auch dieses Jahr ist ein uneinheitlicher Wuchs festzustellen, den Takt geben aber die gut entwickelten Triebe vor. Damit ist ein einfacher, kompakter Behandlungsablauf in Betrieben, die sehr verschiedene Lagen bewirtschaften, nicht zu sehen. Sofern man optimal arbeiten will, zeichnen sich versetzte Termine ab. Eine sorgfältige Lagenüberwachung ist dafür die notwendige Grundlage. Im Bodenseeraum bleibt die Entwicklung noch bis Anfang Juni abzuwarten.
Alle Jahre, die besseren wie die schlechteren für den Einsatz von Bioregulatoren, brachten in der Mehrheit ein besseres Ergebnis in den kompakten Sorten und Klonen gegen Essigfäule wie unbehandelt. Lockerheit ist ein nicht zu ersetzender Baustein zur Absicherung der Qualität unter den heutigen Rahmenbedingungen in der Produktion. Sollten andere Massnahmen wie z.B. das Moderate Ausblasen geplant sein, ist dies gegeneinander abzuwägen.
Einsatz der Bioregulatoren
Gibberellin ist mit der Indikation: „Zur Vermeidung von Essigfäulnis bei Keltertrauben“ für kompakte Burgundersorten (Weiß-, Grau-, und Spätburgunder), Aufwandmenge 12-15 Tabletten/ha mit dem Produkt GIBB 3, Wasseraufwand 600-800 l / ha, zugelassen. Die Burgundersorten reagieren verschieden: Weissburgunder stärker, daher sollte hier der Aufwand zurückgenommen werden, Grauburgunder etwas weniger, hier dann der volle Aufwand. Für den Einsatz gilt folgende Empfehlung: Der Einsatz von Gibb 3 zum Termin „Vollblüte“ mit einem Aufwand von 10-12 Tabletten / ha bei Spätburgunder, 9 – 10 bei Weissburgunder und 14 bei Grauburgunder, hat sich in der Praxis bestens bewährt. Bitte beachten Sie die gewohnten Anwendungsempfehlungen: Die Tabletten sind in Wasser vorzulösen, Zusatz von Haftmittel, z.B. Adhäsit, ist vorteilhaft. Der Einsatz ist eine Einzelmassnahme, es muss jede Gasse für eine optimale Benetzung gefahren werden, es wird nur in die Traubenzone behandelt, bei sommerlichen Temperaturen muss in den Abend - besser in den Morgenstunden - behandelt werden. Vorsicht bei anhaltender Bedeckung, feuchter Laubwand und langsamer Abtrocknung: der Verrieselungseffekt kann sehr stark werden, da die Benetzung zu lang ist. Als ideal gilt eine Antrocknungszeit von ca. 4 Stunden. Sofern kühle Temperaturen, insbesondere Nachtemperaturen im einstelligen Bereich, eintreten sollten oder es liegt sehr wechselhafte Witterung vor, gilt es, dies zu diesem Termin mit zu beachten. Um ertragsmindernde Einflüsse einzugrenzen, ist dann eine Behandlung mit reduzierter Tablettenanzahl empfehlenswert. Dabei ist eine verringerte Tablettenzahl von um die 10 anzustreben. Eine weitere Alternative ist die Behandlung jeder zweiten Gasse mit verringerter Tablettenzahl, hierdurch wird die Gesamtwirkung ebenfalls gemindert. Eine sorgfältige Verfolgung des Wetterverlaufes ist unerlässlich.
Neben Gibberellin hat Regalis Plus eine Zulassung zur Vermeidung von Essigfäulnis durch Auflockerung der Traubenstruktur. Das Mittel ergänzt Gibberellin ideal, da Gibberellin empfindliche Sorten behandelt werden können. Die genehmigte Aufwandmenge ist abhängig von der Sortengruppe. Die empfohlene Aufwandmenge (Fa. BASF) beträgt 1,5 bis 1,8 kg/ha bei Riesling und Muskateller, 1,2 bis 1,5 kg/ha bei Spät – und Grauburgunder sowie Gewürztraminer und 1,0 bis 1,2 kg / ha bei Weissburgunder und Sauvignon blanc. Auch hier kann aus Vorsichtsgründen eine Reduzierung der Aufwandmenge auf 1,0 – 1,2 kg / ha vorgenommen werden. Gute Erfahrungen liegen auch für Müller – Thurgau mit einer Aufwandmenge von 1 kg / ha vor (abgesehen vom lockeren Klon Dreher 505). Für die Anwendung bei Wasser mit Wasserhärte höher als 14° ist in Regalis Plus ein Ansäuerungsmittel integriert. Der Wasseraufwand beträgt 400 l / ha, ansonsten ist wie beim Einsatz von Gibb 3 zu verfahren. Allerdings ist darauf zu achten, dass Regalis Plus nur bei einer durchgängig vollen Laubwand empfehlenswert ist, um phytotoxische Erscheinungen und Wachstumsstillstand an kürzeren Trieben zu vermeiden. Uneinheitliche Anlagen im Wuchs sind nur durch exakte Einstellung der Düsen besser zu handhaben. Es empfiehlt sich daher, nicht von unten nach oben zu sprühen, sondern eher horizontal bzw. von oben leicht nach unten! Ein alternativer Einsatz der moderaten Ausblastechnik in Sorten, die kein Gibberellin vertragen, ist eine überlegenswerte Ersatzlösung.
Abgeraten wird vom Einsatz von in der Wirkung zu unsicherer Mittel wie Sprint Alga. Daneben zeigt dieses Mittel wie kein anderes phytotoxische Erscheinungen, deren Ursache leider bisher nicht geklärt ist.
Dies ist eine Sonderinfo. Es wird gebeten, die Info an den bekannten Anschlagtafeln auszuhängen und die Kollegen zu informieren. In Gemeinschaftsbetrieben (Vereine, Kellereien oder bei Zulieferern) wird um eine Verteilung gebeten.