Weinbauinfo Kaiserstuhl-Nr. 07-2026

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Weinbauinfo Nr. 07-2026 vom 20.05.2026

 

Agenda       -    3. Pflanzenschutzbehandlung

 

Vegetationsstand und Witterung

Die kühlen Durchschnittstemperaturen der vergangenen Woche mit relativ wenig Sonneneinstrahlung haben das Rebenwachstum nur zögerlich vorangebracht. Der Zuwachs beträgt laut Vitimeteo nur ca. 50 cm². Schauer und vereinzelt auch Gewitter ergaben sehr unterschiedliche, regional abweichende Niederschlagsmengen. Mit der aktuell vorhergesagten Wetterbesserung soll es in den nächsten Tagen einen Temperatursprung um die 10°C auf Tageshöchsttemperaturen 25°-30°C geben. Damit wird das Wachstum der Reben eine flottere Entwicklung gehen und wir erreichen über Pfingsten das Entwicklungsstadium BBCH 57, „Gescheine sind voll entwickelt“. Bis zur Blüte fehlen aber schon noch ca. 3-4 Blätter. Normalerweise startet die Blüte ab ca. 13 Blätter.

Die leicht gelblichen Blätter deuten auf Schlechtwetterchlorose und sollten sich mit der vorhergesagten Hochdruckwetterlage schnell auswachsen. Um den Stoffwechsel anzukurbeln kann der Zusatz von Aminosol 1-2 L/ha oder 0,5 Kg Harnstoff/100l Spritzbrühe überlegt werden.  

Aber Hochdruckwetterlagen, hohe Tagestemperaturen und viel Sonnenstunden, morgendlicher Tau, sind ideale Oidiuminfektionsbedingungen. Das Infektionsrisiko steigt über Pfingsten deutlich. Deshalb sollte der Spritzbelag vor Pfingsten erneuert werden. Ein gutes Spritzfenster ergibt sich laut Wettervorhersage am Freitag und Samstag. Auch die Windverhältnisse sollen im günstigen Bereich liegen um eine gute Applikation zu platzieren.

Rebschutz

Tierische Schädlinge

Traubenwickler

In den Nicht-Pheromongebieten zeichnen sich in den Biotrapkontrollfallen höhere Fangzahlen des Bekreuzten Traubenwickler im Vergleich zum Einbindigen ab. In den Pheromongebieten läuft bisher alles planmäßig. Bitte kontrollieren Sie regelmäßig ihre Kontrollfallen und melden Sie gefangenen Traubenwickler direkt ihrem zuständigen Rebschutzwart.

Pilzkrankheiten

Bei dem momentan herrschenden mittleren Infektionsrisiko von Oidium (Vitimeteo orange) hat Netzschwefel eine Wirkungsdauer von 7- 9 Tagen. Besonders die vorhergesagten höheren Tagestemperaturen werden zusätzlich die Dampfphase des Netzschwefels begünstigen. Somit sollte ein Spritzabstand von max. 10 Tagen angestrebt werden um durchgängig Oidiumschutz zu halten.

Hinsichtlich Peronospora ist davon auszugehen, dass am 11./12.05. Bodeninfektionen ausgelöst wurden, deren Inkubationszeit um den 22./23.05. endet. Somit wäre auch aus diesem Gesichtspunkt eine Abdeckung Ende dieser Woche sinnvoll und wird empfohlen.

Zum Einsatz kommen: 

Gegen Peronospora ein Kontaktfungizid wie z.B. Folpan 80 WDG 0,8 Kg/ha oder Delan 0,4 Kg/ha oder Delan SC 0,4 L/ha (10.000m²/ha LWF bei 1,80 m Gassenbreite) bzw. 3 geöffneten Düsenpaaren. Aufgrund des zu erwartenden starken Zuwachses, ist der Zusatz eines Phosphonat-haltigen Wirkstoffs in Form von z.B. Foshield, Rhombiphos, Phosphik 2 L/ha oder Veriphos 2 L/ha zu empfehlen. Alternativ das kombinierte Delan Pro 2,4 L/ha, welches sowohl das Kontaktfungizid Delan als auch Phosphonat enthält. 

Wer nach größeren Niederschlägen bzw. Gewittern und einem Zuwachs von mehr als 2 Blättern seinen Pflanzenschutz durchführt, sollte aus Gründen der Wirkungssicherheit auf ein tiefenwirksames Peronosporafungizid zurückgreifen. Zu empfehlen sind z.B. Melody Combi 1,1 Kg/ha Kg/ha oder Folpan Gold 2,0 Kg/ha oder Afrasa Triple 1,5 Kg/ha. Auch hier kann der Zusatz von Phosphonat zur Steigerung der natürlichen Abwehrkraft, ja nach Witterung und Infektionsrisiko, überlegt werden. Afrasa Triple enthält Phosphonat!

Gegen Oidium gibt es zwei Optionen:

Variante 1 für Normallagen ohne Vorbefall, weniger befallsempfindliche Rebsorten (hauptsächlich Burgunder):

Hier kann bei Einhaltung von Spritzintervallen von 7-8 Tagen Netzschwefel, Aufwandmenge 3,6-8 Kg/ha je nach Produkt und Zulassung angewendet werden.

Variante 2 Befallsanlagen, empfindliche Sorten (Chardonnay, Cabernet Dorsa, Müller-Thurgau, Silvaner etc.) und angestrebten Spritzintervallen von 10 Tagen

Hier sollte auf ein organisches Oidiumfungizid der Gruppe 3 wie z.B. Vivando 0,16 L/ha oder Belanty 1,0 L/ha.

 

Allgemeine Hinweise:

§  Der Wasseraufwand beträgt 200-300 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 400-1000 L/ha im Spritzverfahren.

§  Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 2. 

§  Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!

§  Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)

§  Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden. 

§  Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung 

§  Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz. 

§  Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.

Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital erfolgen!
 

Chlorose

Um Chlorose in den bekannten Parzellen vorzubeugen empfiehlt es sich bei jetzt anstehenden Behandlungen, vor der Blüte, geeignete eisenchelathaltige Blattdünger wie z.B. Lebosol Heptaeisen oder Folicin DP einzusetzen. Eine Kombination mit Aminosol 1-2 L/ha verbessert die Eisenaufnahme und fördert die Chlorophyllbildung. Bitte informieren Sie sich vorher, ob bei Verwendung von Phosphonat, eine Mischung mit Eisenpräparaten pflanzenverträglich ist.

 

Junganlagen

Gut gewachsene Jungreben, die bereits im frühen April gepflanzt wurden, sind ab entsprechender Blattgröße, 3-Blattstadium für Pflanzenschutzmaßnahmen vorzusehen.

Für die Peronospora-Bekämpfung empfehlen wir Peronospora-Kontaktfungizide z. B. Delan WG 0,2 kg/ha oder Folpan WG 0,4 Kg/ha oder Mildicut 1,0 l/ha. Bitte rechnen sie die Konzentration entsprechend Basisaufwand auf 400 L/ha Wasseraufwand zurück. Bei zu hohen Spritzkonzentrationen kann es zu Verbrennungen der Triebspitzen und Blätter kommen. Zur Oidiumbekämpfung wird der Zusatz eines synthetischen, organischen Fungizides empfohlen wie z.B. Topas, Belanty, Vivando, ebenfalls in umgerechnetem Basisaufwand. Die Spritzintervalle sollten dem Zuwachs entsprechend angepasst werden und bei der derzeitigen Wetterlage zehn Tage nicht überschreiten. Bei stärkeren Niederschlägen kann der Zusatz von Phosphonat (jede 2. Behandlung) überlegt werden. Gegen Wildverbiss hilft der Zusatz von Trico (Wirkstoff Schadfettbasis) oder aus Insiderwissen ½ L Buttermilch pro Rückenspritze (Historisch: früher am Kaiserstuhl „Hutte“ genannt).

Bei der Bodenpflege der Junganlagen sollte das Grubbern in der Gasse und die Rollhacke im Unterstockbereich bevorzugt angewendet werden.

Bodenpflege

Für die Bodenpflege empfiehl sich im Mai und Juni das alternierende Mulchen jeder 2. Gasse oder das Walzen der Begrünungen. Besonders hochgewachsene Winterbegrünungen sollten jetzt gewalzt werden. Dies beschleunigt das morgendliche Abtrocknen der Rebanlagen oder das Abtrocknen nach Niederschlägen.  

Kulturarbeiten

Mit dem vorhergesagten Turbozuwachs über Pfingsten und nächste Woche wird das Heften die Hauptaufgabe werden um die Triebe vor Windbruch zu schützen.

Mit dem zeitgerechten Aufheften der Rebanlagen wird das schnellere morgendliche Abtrocknen der Laubwand und der Gescheine gefördert. Außerdem ermöglicht es die Befahrbarkeit zu erhalten und eine gute Pflanzenschutzapplikation zu ermöglichen. Achten sie von Anfang an darauf Laubwandverdichtungen zu vermeiden und eine gut durchlüftete Laubwand und spätere Traubenzone zu erzielen.

In eigener Sache:

Ich bin für telefonische Rücksprachen und Beratungen nur vormittags zwischen 08:00-12:00 erreichbar. Bitte kontaktieren Sie mich mobil unter 0162-2550680. Eventuell öfter probieren.

Andernfalls schreiben Sie mir bitte eine E-Mail! Kommunikation über Whats-App sollte aufgrund der zahlreichen Nachrichten nur zur Übertragung von Schadbildern/Fotos benutzt werden. Vielen Dank für Ihr Verständnis

Tobias Burtsche

Weinbauberatung Kaiserstuhl