Allgemeiner Entwicklungsstand
Am 1. Mai stimmten die Musikvereine den neuen Monat ein, nur der Inhalt etlicher Mailieder passt nicht in jedem Fall mehr zur Vegetation. Alles steht voll im Saft, blüht schnell ab. Kein Wunder bei den fast sommerlichen Temperaturen. In dieser Woche fielen in Verbindung mit einer Abkühlung bis zu 24 mm Regen, das Wasser wurde erhofft und kam sanft. Der April war in ganz Südbaden aussergewöhnlich schön und daher im Vergleich zur Klimaperiode 19961 – 1990 nicht nur knapp 3° C zu warm, er war auch überall sehr trocken. Besonders der Bodenseeraum verzeichnet die ersten vier Monate sehr wenig Niederschlag. Teilweise zeigen sehr zögerlich wachsende Jungtriebe, dass die kalten Temperaturen vor fünf Wochen leichte Schäden hinterlassen haben. Abgesehen davon stehen die Reben schön und sind kräftig zugewachsen. Der Vorsprung bewegt sich stabil bei 8 – 10 Tagen. Auf das Wochenende sollen die Temperaturen wieder steigen, für den Wochenbeginn sind bisher Niederschläge mit mittlerer Intensität in der Vorhersage. Die kommende Woche bleibt danach wechselhaft.
Zu den tierischen Schädlingen
Generell sind die Kontrollfallen für den Traubenwicklerflug im gewohnten Rhythmus Montags – Mittwochs – Freitags zu überwachen.
Achten Sie in gefährdeten Lagen auf Wildverbiss. Bei wirtschaftlich relevanten Schäden ist schnellstmöglich der Jagdpächter zu informieren. Eine gütliche Einigung ist immer anzustreben. Um allerdings ggf. Ansprüche durchsetzen zu können, muss unmittelbar nach Bekanntwerden eines Schadens, dieser an die Gemeindeverwaltung gemeldet werden. Im Vordergrund sollten vorbeugende Maßnahmen zur Vergrämung oder Verhinderung des Zugangs (z.B. Einzäunung der Rebfläche, Elektrozaun am Waldrand, Hasendraht / Rebschutzrohr) stehen. Zur Vergrämung stehen flüssige Buttersäure oder angegorenes Bio – Aminosol für getränkte Lappen zur Verfügung. Angegorenes Bio – Aminosol kann auch mit 1 l / ha zur Spritzbrühe zugesetzt werden. Weitere Möglichkeiten sind das Mittel Anti-Bissan, Trico auf Schafölbasis oder Haarmehlpellets, welche am Rand auszubringen sind. Aus der Praxis gibt es gute Meldungen zu Schafwollfetzen, welche an jedem Pfahl am Rand ausgebracht werden.
Anderweitige erwähnenswerte Auffälligkeiten sind nicht bekannt.
Zu den Pilzkrankheiten
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Einsatz mit Schwerpunkt gegen Oidium rasch eingeholt wird durch einen Wetterwechsel, welcher dann eine Behandlung zur Primärinfektion zur Folge hat. Der Teufel steckt im Detail der Wettervorhersagen. Die Niederschläge von Mittwoch auf Donnerstag waren wesentlich höher wie angesagt. Auf Anfang kommender Woche werden weitere Niederschläge mit ausreichender Intensität für eine Primärinfektion gemeldet. Durch die Niederschläge dieser Woche hatten die Winterfruchtkörper der Peronospora ausreichend Feuchtigkeit für die Reifung. Die Strategie „Abfangen der Peronosporaprimärinfektionen“ hat sich bestens bewährt. Beim Zuwachs haben wir einen starken relativen Zuwachs von über 200% und mehr bei der Blattfläche im Vergleich zum Monatsbeginn Mai. In diesem frühen Entwicklungsstadium ist der relative Zuwachs entscheidender wie später, wo dann über den reinen Blattflächenzuwachs die Strategie gesteuert wird. Dieses Phänomen war schon in zurückliegenden Jahren 2021 und 2023 zu beobachten. Für alle, welche einen Abstand von ca. einer Woche zur letzten Behandlung haben, wird daher empfohlen, vorzulegen. Für diejenigen Winzer, welche jetzt nur einen kurzen Abstand von 3 – 4 Tagen haben und möglicherwiese noch Kaliumphosphonat mit im Einsatz war, können auf die nächste Woche ziehen. Zum Einsatz kommen: Netzschwefel mit 3,5 kg / ha. Gegen Peronospora ein Kontaktmittel wie Folpan WDG mit 0,6 kg / ha oder Folpan SC mit 0,8 l / ha, Delan WG mit Aufbrauchsfrist mit 0,3 kg / ha, Delan SC nach Laubwandmodell mit 0,24 l / ha.
Um den Neuzuwachs besser zu schützen wird der Zusatz von Phosphonaten wie z.B. Veriphos, Foshield, (jeweils 1,0 l / ha) oder Frutogard (1,5 l / ha) zur Spritzbrühe empfohlen. Werden andere Produkte eingesetzt, sind die entsprechenden Aufwandmengen zu beachten. Alternativ kann auch das Kombinationsmittel Delan Pro (1,8 l /ha) eingesetzt werden.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.
Weinbauliche Hinweise
In den Reben läuft die Saison der Ausbrecharbeiten. Am Stammkopf sollten besonders Triebe ohne Gescheine und schwach wachsende Triebe entfernt werden. Die Entfernung von Doppeltreiben fördert eine luftige Laubwand und unterstützt den Pflanzenschutz. Das Ausbrechlaub kann nach Kontrolle auf Besatz für die Ansiedlung von Raubmilben in den Junganlagen verwendet werden. Die Ausbringung muss rasch erfolgen, auf lahm werdendem Ausbrechlaub wandern die Milben ab.
Bei einer Einsaat von Junganlagen ist die Saatbreite so zu wählen, dass keine Beschattung oder Bedeckung der Jungreben oder des Pflanzstreifens möglich ist. Einjährige, wenig wasserzehrende und gut walzbare Einsaaten wie Phacelia und Buchweizen sind vorzuziehen. Die z.B. Wolfmischung wäre auch möglich, ist aber eher für Regionen mit Maikäfern als Ablenkungsfütterung vorteilhafter. Bei einer Einsaat von geöffneten Gassen ist z.B. die vielfältiger ausgerichtete Tübinger Mischung als Sommereinsaat eine gute Alternative. Es wurde kühler, aber eine Frostgefahr ist nicht mehr in Sicht. Damit können die Frostruten entfernt werden.
Sonstige Hinweise
Die Sammelaktion PAMIRA startet ab dem 13.05.2026. Sammelstellen und Termine für PAMIRA 2026 finden Sie unter www.pamira.de.
Dokumentation
Mittlerweile steht das Behandlungstagebuch in Vitimeteo zur Aufzeichnung der Pflanzenschutzbehandlungen zur Verfügung. Über dieses Tool können sämtliche Behandlungen im Weinbau kostenlos aufgezeichnet werden. Aufgrund der Anwenderfreundlichkeit wird die Nutzung insbesondere für reine Weinbaubetriebe klar empfohlen.
Unter diesem Link finden Sie eine Anleitung zur Anwendung. Dem Info angefügt ist ein sehr schönes Benutzerhandbuch unserer Heilbronner Kollegen, übersichtlich und informativ.
Förderungen
Aktuelles zu „Bewirtschaftung von Weinbausteillagen“ (C2)
Die „C2 Weinbausteillagenkulisse ab 2026“ ist bisher Flurstücks bezogen entsprechend der allgemeinen „Weinbau Hangneigungskulisse“ ermittelt worden. Dies hat dazu geführt, dass tatsächlich steile Rebflächen auf
außerhalb der Kulisse liegenden Flurstücken nicht berücksichtigt werden konnten. Die „C2 Weinbausteillagen- kulisse ab 2026“ wird in Kürze so umgestellt, dass die Hangneigung in einem engen Raster Flurstücks unab-hängig ermittelt wird. Die Antragstellung für die FAKT - Maßnahme „Bewirtschaftung von Weinbausteillagen“ (C2) ändert sich dadurch in der Vorgehensweise nicht: Die Maßnahme ist weiterhin je Rebflächenschlag beantrag-bar. Eine gesonderte Teilschlagbildung ist nicht erforderlich. Systemseits wird der in der geänderten Kulisse liegende Teil des Schlages ermittelt. Durch die Änderung der Kulisse können nun aber auch Flächen beantragt werden, die bisher nicht in der Kulisse lagen. Es wird gebeten zu prüfen, ob solche Flächen vorliegen und ob diese Flächen nun in die Antragstellung aufgenommen werden sollen. In FIONA wird in Kürze mitgeteilt, ab wann die neue Kulisse zur Verfügung steht.
Die Frist vom 15. Mai für den Eingabeschluss beim Gemeinsamen Antrag rückt näher.
Beachten Sie bei der Umstrukturierung von Rebflächen, dass bei Pflanzschlägen aus mehreren Grundstücken jedes Flurstück einzeln berechnet und korrigiert werden muss. Eine Rückrechnung auf das einzelne Flurstück ist unumgänglich. Eine Überbeantragung der in der Umstrukturierung beantragten Fläche ab 30 % führt zu Sanktionen und damit zum unnötigen Verlust von Fördergeldern. Nach der Pflanzung sollte die Pfropfrebenrechnung umgehend beim zuständigen Landwirtschaftsamt eingereicht werden, um eine zügige Weiterbearbeitung in der Verwaltung zu unterstützen. Bitte beachten Sie, dass bei der Beantragung der Tröpfchenbewässerung erforderlich ist, die Anlage Wasserbezug auszufüllen und in FIONA hochzuladen.
Veranstaltungen
Das Landratsamt Emmendingen, Landwirtschaftsamt bietet in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum und dem Regierungspräsidium Freiburg am Donnerstag, 28.05.2026 Fortbildungen zur Sachkunde im Pflanzenschutz mit Schwerpunkt Weinbau in Endingen-Kiechlingsbergen an. Es gibt eine Veranstaltung von 09:00 bis 12:00 Uhr und eine Veranstaltung von 13:00 bis 16:00 Uhr, dabei handelt sich um die gleichen Veranstaltungen, daher ist die Teilnahme an nur einer Veranstaltung für den Erhalt des zweistündigen Fortbildungsnachweises möglich.
Themen: Pflanzenschutzmittelreduktion - Reduktionspotenziale und Herausforderungen sowie Biodiversität.
Die Kosten für die Teilnahmebescheinigung betragen 12,- €. Eine Anmeldung ist erforderlich, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Ohne Voranmeldung ist keine Teilnahme möglich. Anmeldeschluss ist am 26.05.2026. Weitere Infos zum genauen Veranstaltungsort und Anmeldung unter www.emmendingen.landwirtschaft-bw.de.
Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo am 15. Mai 2026.