Blattläuse
Kleine Ansiedlungen der Schwarzer Bohnenlaus sind zerstreut in vielen Beständen von Mangold, Spinat oder Dicke Bohne zu finden.
Ende vergangener Woche wurden am Hochrhein in Salat zahlreiche geflügelte Großen Salatblattläuse (Nasonovia ribisnigri) mit ersten abgesetzten Jungen gefunden. Dank günstigem Flugwetter werden sie bald auch das übrige Gebiet besiedeln.
Mit dem Wegfall der regulären Zulassung von Movento OD 150 und Mospilan SG in 2025 ist die Verfügbarkeit von Mitteln gegen Nasonovia in Salat im Freiland etwas eingeschränkt: Sivanto Prime (Notfallzulassung bis 12.08., 1 x, 6,25 ml/Ar, WF=3 Tage) wirkt teilsystemisch (translaminar, akropetal), erreicht also die Blattunterseiten, aber keine Blätter im geschlossenen Kopf. Die Anwendung sollte deshalb vor Kopfschluss erfolgen.
Die synthetischen Pyrethroide Trebon 30 EC (1 x 2 ml/Ar; WZ=3 Tag) und Mavrik Vita (1 x 2 ml/Ar, WZ=14 Tage) haben eine etwa 10-14 Tage anhaltende Kontaktwirkung, die zufliegende Blattläuse erfasst, aber keine, die bereits in den Kopf eingewandert sind.
Pyrethroide sollten als letzte Behandlungen in die Spritzfolge eingebaut werden, um Nützlinge möglichst lange zu schonen Mit diesen drei Anwendungen im Feld und der Verwendung von mit Closer (120 g/l Sulfoxaflor) behandelten Jungpflanzen (Notfallzulassung bis 24.06.2026: 1 x 2 ml/1000 Pflanzen gießen; NZ113: Behandlung nur im Gewächshaus auf versiegelten Flächen; Pflanzung im Freiland, WF=7 Tage; gute Wirkung für etwa 2 Wochen) sollte sich bei mäßigem Befallsdruck der Salat lausfrei halten lassen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer Genehmigung im Einzelfall nach Art. 22 für Mospilan SG:
https://ltz.landwirtschaft-bw.de/,Lde/Startseite/Arbeitsfelder/Zulassungen+und+Genehmigungen
Die bio-konformen Mittel Eradicoat Max, Kantaro, Micula; Neudosan Neu, Raptol HP und Spruzit Neu wirken nur auf diejenigen Blattläuse, die bei der Behandlung direkt getroffen werden. Da die Große Salatblattlaus sich bald zwischen die Herzblätter oder in den Kopf zurückzieht, ist von ihnen nach Kopfschluss kaum ein Effekt zu erwarten. Der Wirkungsgrad kann wegen Schädigung von Blattlaus-Gegenspielern sogar negativ ausfallen.

Rübenstängelrüssler
Früher als in den vergangenen zwei Jahren wandert der Rübenstängelrüssler (Lixus junci) in die Flächen ein. Das erste Pärchen wurde gestern an schossendem Mangold im Markgräflerland gesichtet, weitere Käfer werden in den nächsten, sommerlichen Tagen zufliegen.
Die Schäden, welche ihre Larven in 2025 an Mangold-Blattstielen und Rote-Bete-Knollen verursachten, sind wohl noch jedem in Erinnerung.
Bilder oben: Schäden an Blattstiel von Mangold und Rote-Bete-Knolle durch Befall mit Larven von
Rübenstängelrüssler (Lixus juncii) im Juli.
Um in diesem Jahr Ähnliches zu vermeiden, sollte rechtzeitig gehandelt werden. Nach Erfahrungen in Frankreich sind Minecto One (2 x in Wurzel- und Knollengemüse, 1 x in Schnitt- und Stielmangold) und SpinTor (2 x in Spinat, Stielmangold) sehr geeignete Mittel, die Wirkung von Karate Zeon (2 x in Spinat, Mangold, 1 x in Wurzel- und Knollengemüse), Mavrik Vita (1 x in Blatt- und Stielgemüse als Baby-Leaf und in Rote Bete), Trebon 30 EC (Spinat) soll geringer sein. Kontrollen nach der Spritzung sind in jedem Fall zu empfehlen. Behandelt werden sollte erst, wenn die Käfer im Bestand anwesend sind und spätestens dann, wenn erste Fraßlöcher an den Blattstielen zu sehen sind.

Bilder oben: Frische (links) und ältere, vernarbte (Mitte), ca 2 mm große Fraßgruben von
Rübenstängelrüsslern an Blattstielen von Mangold. Die Käfer (rechts) sind etwa 1 cm lang und durch den Rüssel und
das seitliche, helle Längsband gut zu erkennen.
Bei der Terminierung aller Behandlungen muss bedacht werden, dass die Käfer mindestens bis Ende Juni immer wieder Eier ablegen.
Keine Erfahrung gibt es zu NeemAzal-T/S (3 x 3 l/ha in Blattgemüse, also auch Mangold und Spinat). Dessen Wirkung beruht bei vielen Schädlingen darauf, dass Insekten, welche den Wirkstoff über Fraß aufnehmen, weniger Eier ablegen. Dazu muss die Spritzung schon beim Auftreten der ersten Käfer stattfinden, also so bald wie möglich. Weitere Behandlungen mit Neem können, dank der systemischen Wirkung, die Larven in den Blattstielen erfassen. Voraussetzung für diese Strategie ist allerding, dass NeemAzal-T/S überhaupt eine Wirkung auf den Rübenstängelrüssler hat.
Die sicherste Wirkung hat ein Kohlfliegen-Netz (1,4 mm). Das muss aber aufgelegt sein, bevor das Gros der Käfer einwandert, also am besten noch vor diesem Wochenende.
Gefährdet durch den Rübenstängelrüssler sind vor allem Mangold und Rote Bete. Schäden an Spinat wurden bei uns bisher nicht beobachtet.
Kohlerdflöhe
Bisher zeigten Kohlerdflöhe wenig Präsenz. Zum Wochenende, mit sommerlichen Tagestemperaturen voraussichtlich über 25 °C, können sie für Rucola und junge Kohlbestände schnell zum Problem werden. Geeignete Mittel sind Minecto One/Verimark/Benevia, Coragen (ca. 3 Wochen Wirkung), Mospian SG, SpinTor und – bei nicht zu hohen Temperaturen – Pyrethroide. Zulassung in den verschiedenen Kulturen beachten!
Vliesabnahme
Bei zu erwartenden Temperaturen nahe 25 °C, starker Sonneneinstrahlung und wenig Luftbewegung wird es unter Vliesbedeckung zu warm für viele Kulturen. Das Aufdecken vermeidet gefährliche Temperaturspitzen, ist aber mit Wasserstress für die Pflanzen verbunden. Bei Salat und anderem Blattgemüse können die Blatträndern vertrocknen, wenn sie plötzlich ungehemmter Einstrahlung und Verdunstung ausgesetzt sind. Im günstigsten Fall werden die Kulturen aufgedeckt bei Windstille, bedecktem Himmel und hoher Luftfeuchtigkeit. Das sind Bedingungen, die im Moment nicht zu erwarten sind. Bei nicht optimale Wetterbedingungen kann die Umstellung für die Pflanzen abgemildert werden durch Abnahme am frühen Morgen oder späten Nachmittag/Abend und direkt anschließende Beregnung, um die Boden- und vor allem Luftfeuchtigkeit zu heben.
Zulassungen
Zulassungserweiterungen wurden ausgesprochen für
· NeemAzal-T/S im Freiland gegen beißende und saugende Insekten in Blatt- und Stielgemüse,
Hülsengemüse, Wurzel- und Knollengemüse (zur Verwendung als Babyleaf-Salat) sowie Blattgemüse und Jungpflanzen von
Blattgemüse mit jeweils 3 x 3 l/ha und WZ=3 Tagen.
Die Wirkung von NeemAzal-T/S gegen Blattläuse ist abhängig von der Blattlaus- und der Pflanzenart. Die Große Salatblattlaus
wird nicht ausreichend bekämpft, die Wirkung gegen Schwarze Bohnenlaus war in Versuchen zufriedenstellend.
· Goltix Gold im Freiland gegen einjähriges Rispengras und einjährige zweikeimblättrige Unkräuter in Knollensellerie nach der Pflanzung, Meerrettich, Kohlrübe und Speiserüben vor dem Auflaufen mit 1 x 1 l/ha, in Rettich, Radies, Pastinake, Petersilienwurzel vor dem Auflaufen mit 1 x 1,5 l/ha, und in Möhre vor dem Auflaufen mit 1 x 1,5 und nach dem Auflaufen mit 2 x 1 l/ha; WF=42 Tage
· Lentagran WP in Spargel-Ertragsanlagen gegen einjährige zweikeimblättrige Unkräuter nach der Stechperiode als Unterblattbehandlung/Reihenbehandlung mit 1 x 1 l/ha; WF=F.
Folgende Notfallzulassungen (Art. 53 Abs. 1 der VO (EG) 1107/2009) wurden erteilt:
· vom 15.04.2026 bis 12.08.2026 für Sivanto Prime (200 g/l Flupyradifurone) im Freiland gegen Blattläuse, Weiße Fliegen bzw. Zikaden im Freiland mit 1 x 0,625 l/ha in Hülsengemüse, Wurzel- und Knollengemüse, Blatt- und Stielgemüse (Nutzung als Baby-Leaf-Salat), Blattkohle , Frische Kräuter, Kohlrabi, Salate, Rucola-Arten, Spinat und verwandte Arten mit WF=3 Tage und in Rhabarber mit WF=F.
· vom 15.04.2026 bis 12.08.2026 für Fonganil Gold (465,2 g/l Metalaxyl-M) im Freiland in Radieschen und Rettich gegen Weißen Rost mit 1 x 0,2 l/ha, WF=21 Tage.
· vom 01.04.2026 bis 29.07.2026 für das Pheromon Nermady im Freiland in Zuckermais gegen Maiswurzelbohrer zum Einsatz für Verwirrmethode zum Spritzen kurz vor Beginn des Käferfluges mit 1 x 4 kg/ha; WF=F