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Weinbauinfo Tuniberg Nr. 20

Allgemeiner Entwicklungsstand

Inzwischen ist die Zielgerade der diesjährigen Vegetationsperiode erreicht. Die Lese hat mit Sektgrundweinen und Federweissen begonnen, die Hauptlese wird sich ab nächster Woche anschliessen. Es ist ein sehr gemischtes Bild in den Südbadischen Regionen. Grosse Teile der Flächen stehen gut und für all die Einflüsse des Jahres gesund, geben Hoffnung auf einen guten Jahrgang. Regionaler Hagel, bzw. übermässige Niederschläge wie im Bodenseeraum kurz vor Monatsende August führen dagegen zu nachfolgend aufwändigen Lesen oder vorgezogenen Sonderlesen. Im Bodenseeraum beschränken sich diese bisher auf den Raum Kressbronn, jedoch sollten im westlichen Bodenseeraum die Anlagen sorgfältig kontrolliert werden, der Schub des vielen Wassers scheint sich mit Verzögerung zu zeigen, wie aktuelle Meldungen belegen. Glücklicherweise besteht im Augenblick eine stabile trockene Wetterlage, die die direkte weitere Fäulnisentwicklung durch Botrytis verhindert. Die hohen Temperaturen um die 30° C und hohen Nachtemperaturen dagegen bringen wieder eigene Probleme mit sich: rascher Säureabbau, erstes Einschrumpeln von Beeren und späten Sonnenbrand, rasche Abreife, den auch dieses Jahr sind die Reben zur Lese grün mit aktiver Laubwand, rasche Essigbildung bei vorliegender Botrytis. Und auf ausgeprägten Trockenstandorten wieder in kurzer Zeit Trockenstress. Sehr positiv dagegen ist die starke und schnelle Austrocknung von Schadstellen von Sonnenbrand, Hagel oder Insektenfrass. Betriebe, die eine qualitativ sehr hochwertige Lese anstreben, berichten von viel Aufwand und höhere Kosten müssen eingerechnet werden. Ansonsten wird im Regelfall, insbesondere aber bei Hagel, in Ermangelung an Personal und durch die hohen Arbeitskosten mit der Lesemaschine mit angepasster Einstellung einiges gesteuert, dieses Vorgehen ist nicht das erste Mal der Fall. Damit spiegelt die Lese die zurückliegenden Monate wieder, und es wird sicherlich spannend, wie das Potential des Jahrganges sich am Ende darstellt. Im Verlaufe der kommenden Woche sollen die Temperaturen auf angenehme max. 20 bis 25° C zurückgehen, nachts ebenfalls entsprechend kühler und es bleibt überwiegend trocken. Für den weiteren Reife- und Leseverlauf wäre dies sehr günstig.

 

Zu den tierischen Schädlingen

Die Aussagen zur KEF und HEF beruhen auf den Ergebnissen von https://monitoring.vitimeteo.de und auf den Befunden des Labors der Tuniberger Winzer in Opfingen. Die aktuelle Lage ist bei der KEF weitestgehend entspannt, nachdem die viele Feuchtigkeit Ende August anderes erwarten liess. Die trockene Wetterlage ist auch hier ein Gewinn. Eifunde beschränken sich auf Randlagen oder die bekannten kritischen Sorten, ein breites Einwandern in die Fläche ist jedoch bisher nicht festzustellen. Im Einzelfall werden kritische Sorten oder Anlagen im Beratungsgebiet behandelt, das frühe Eingreifen verhindert ein Aufbau von Fruchtfliegenpopulationen. Die Bonituren werden weitergeführt und, falls erforderlich, im Einzelfall Massnahmen abgesprochen. Die nun startende Lese wird den Handlungsrahmen innerhalb der Wartezeiten aber stark einschränken.

 

Hinweise zum Bienenschutz: 

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu mulchen. Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben. Bei erforderlicher Behandlung steht das bewährte Kombinationsverfahren im Vordergrund, da hier keine Rückstände entstehen und das Verfahren als nicht Bienen gefährlich bewertet ist. 

Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.  

 

Zum Reifeverlauf

Die angegebenen Mostgewichte und weitere Werte basieren auf Messungen vom 06.09.2023 aus überwiegend mittleren und guten Lagen des Tuniberges und Glottertales, mit einem vielleicht dieses Jahr im Schnitt etwas überdurchschnittlichen Anteil an gepflegten Anlagen in der Probe (obwohl die gleichen wie immer). Die analytischen Werte ermittelte das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg durch Grape Scan. Angaben vom Bodenseeraum stammen von ersten Messungen einzelner Betriebe. Insgesamt liegt der Bodenseeraum über alle Sorten rund eine Woche zurück, was normal ist. Der Reifeverlauf ist bei der aktuellen Wetterlage günstig, nachdem das viele Wasser zurückliegend zu einem Verdünnungseffekt geführt hatte. Schwieriger ist der Reifeverlauf in den stärker betroffenen Hagelanlagen, reduzierte Laubwände und schlecht reifende Traubenteile verzögern die Reife, Sonderlesen sind angesagt. Analog den Werten des Staatlichen Weinbauinstitutes Freiburg zeigen die eigenen Erhebungen einen in der Säure niedrigen und in den Mostgewichten bisher nicht überhohen Jahrgang. Zu den vergleichbaren Jahrgängen 2022, 2020 oder 20218 liegen die Werte um bis zu 10° Oe zurück. Die Säurewerte liegen noch leicht höher wie 2018 oder 2020. Die pH – Werte liegen oft über pH 3,0, aber unter pH 3,4. Die Traubenkerne sind tiefbraun und die Mostfarben hoch gelb, abgesehen von Sauvignon blanc, der immer eine grüne Farbe hat, und den Müller – Thurgaumosten, die noch einen grünen Schimmer haben. Auffallend ist die Weichheit der Beerenhäute in allen Regionen, bei der Entnahme von Einzelbeeren für die Probe sind manche in den Fingern zerfallen. Hitze und Starkregen machen die Schale mürbe. Erstaunlich ist, dass die kompakten Trauben nicht mehr Schäden durch Abdrücken zeigen. Vor späten Entblätterungsmassnahmen wird abgeraten, zu schnell können sich bei solch weichen Beerenhäuten Schadstellen einstellen. Dazu kommt das Abkochen der Trauben bei den hohen Temperaturen, nachfolgend dann hohe Mosttemperaturen, es liegen Berichte von Temperaturen gegen 30° C vor. Überstarke Entblätterung zeigt sich in der Aromatik nicht vorteilhaft, die Beeren schmecken flach. 

 

Müller – Thurgau und Regent:

Regent wird inzwischen am Tuniberg überwiegend für Federweissen gelesen. Müller – Thurgau liegt bei Anfang bis Mitte 70° Oe. Die Erträge liegen nach den ersten Lesen für Federweissen nicht so hoch wie erwartet, die Sorte zeigt sich verhaltener wie in anderen Jahren. Dabei Säurewerte, die zwischen die 6,6ºº und 7,4ºº Säure stehen. Die Sortengruppe weist eine hohe Spreizung im Gesundheitszustand vor. Mindergepflegte Anlagen zeigen deutlich Botrytis und ersten Essig, gepflegte Anlagen stehen schön, ausgeprägt am Bodensee. Hier beginnt sich jedoch das viele Wasser in einzelnen Anlagen auszuwirken. Im Bodenseeraum liegt der Müller – Thurgau bei Anfang 60° bis gegen 70° Oe. 

 

Burgundergruppe:

Gepflegte und gut geführte Anlagen erreichen die 90° Oe, die Regel sind aber Ende 70° bis Anfang 80° Oe°. Die Säurewerte liegen um die 10ºº Säure, sehr reife Bestände schon bei 8 - 9ºº. Im Bodenseeraum sind in guten Anlagen Anfang 70° Oe erreicht. Ein Mengengewinner des Jahres ist die Sorte Grauburgunder, bei hohen Erträgen fehlt es aber sichtbar an der Reife, nach wie vor gibt es grünliche Trauben. Auch bei Spätburgunder gilt die Menge – Güte Beziehung. Gepflegte Anlagen stehen sehr schön mit vielversprechender Ausfärbung. Ohne Ausdünnung sind dieses Jahr in allen Klonen die Mengen beträchtlich und die Reife immer noch uneinheitlich. Die Sorte Weissburgunder fällt auf durch häufigeren Sonnenbrand, vereinzelt auch Welkeerscheinungen. Schwach gepflegte Weissburgunder zeigen erste Anlagen beginnender Botrytis und nachfolgend Essig. Die Abdrückerscheinungen halten sich bisher im Rahmen, gehen aber bei vorliegender Botrytis durch die warmen Temperaturen rasch in Essig über.

 

Sonstige Sorten:

Die weiteren Sorten wie Muskateller oder Gewürztraminer zeigen einen guten gesundheitlichen Zustand. Die Mostgewichte liegen gegen Mitte 70º Oe bei Muskateller und mit Anfang 80º Oe bei Gewürztraminer. Sauvignon blanc in guten Lagen ist reif bei um die Ende 70º Oe und zeigt beginnende Reifebotrytis. Riesling ist in früher wie späterer Lage erstaunlich reif. Die Mostgewichte liegen von Anfang 70° bis gegen 80º Oe, leichte erste Botrytis ist zu sehen. Die Säurewerte liegen bei 10 - 12ºº Säure, erstere in späterer Lage. 

 

Weinbauliche Hinweise

Durch die frühen Lesen bestehen gute Aussichten auf Einsaaten im Oktober. Bei guten Wetterbedingungen kann nach der Lese die klassische Roggen – Wickeneinsaat durchgeführt werden. Auch andere Einsaaten auf Kleebasis oder Mischungen wie z.B. die Mischung WB 240 sind möglich. Ebenso kann nach der Lese bei mechanischer Unterstockpflege mit Scheibe / Rollhacke der Unterstockbereich bearbeitet werden, damit ein angepasst sauberer Streifen über den Winter vorliegt und im Frühjahr gute Startbedingungen herrschen. 

 

Sonstige Hinweise

Seit dem Jahr 2021 müssen in Stichproben beantragte Anlagen bei der Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen kontrolliert werden. Sehr gerne werden Anlagen mit den noch vorhandenen Saisonarbeitskräften gerodet. Für die Kontrolle sollten die Stöcke und Ruten mit Laub noch vorhanden sein, alles andere kann abgeräumt werden. 

 

Dies war das letzte Weinbauinfo, ausser es gibt wirklich besondere Umstände. Nach der Lese erfolgt ein Info zu Fragen der Winterarbeit. Allen eine schöne Lese und eine glückliche Hand für die notwendigen Entscheidungen. 

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